Interview: Skyrim fasziniert Geologin

Diese Woche haben mich Mitarbeiter von Bethesda auf einen faszinierenden Artikel bei Geo-HeritageScience – einem Blog der Londonerin Jane Robb – aufmerksam gemacht. Jane hat ihren Bachelor und Master in Geologie gemacht, arbeitet seit mehreren Jahren in diesem Bereich (momentan in der PR-Abteilung von Geology for Global Development) und hat daher auf jeden Fall eine Schwäche für Gestein.

In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich aber auch gerne mit Videospielen. Auf ihren Abenteuern in Himmelsrand konnte sie dann schließlich beide Leidenschaften vereinen und begann, Hypothesen über die Erzvorkommen in den verschiedenen Regionen des Spiels aufzustellen. Hier ein (von uns übersetzter) Auszug aus ihrem Post:

„Folgende acht Erzarten kommen in Skyrim vor. Da es sie nicht alle wirklich gibt, möchte ich mich heute mit Eisen-, Gold-, Mondstein- und Malachiterz befassen. Dazu einige kurze Bemerkungen: Malachit ist bereits ein (Kupfer-)Erz, weshalb die Bezeichnung Malachiterz eigentlich falsch ist. Mondstein und Corundum (Korund) sind Mineralien, letzteres findet sich jedoch unterirdisch in Schwarzweite und kann deshalb auf der Skyrim-Karte nicht verzeichnet werden.“

Lesen Sie den kompletten Artikel (in Englisch) auf ihrem Blog, sowie hier nachfolgende das Interview mit ihr. Besonders für Modder eine interessante Lektüre!

Wie sind Sie zu Skyrim gekommen? Beeinflusst Sie der Background als Geologin bei der Auswahl der Spiele?

Auf Videospiele bin ich vor mehreren Jahren über meinen Freund gestoßen, da ich davor noch nie eine Konsole aus der Nähe gesehen hatte. Ich war sofort hin und weg. Zuerst habe ich meinem Liebsten gerne beim Spielen zugesehen, doch dann kam Oblivion. Mein Freund empfahl es mir, da er wusste, wie sehr ich Fantasy mag – ich verschlinge Fantasy-Romane und -Filme förmlich. Das Spiel hat mich total begeistert. Da natürlich auch meine Vorfreude auf Skyrim sehr groß war, habe ich es inklusive des ersten DLCs doppelt so schnell wie mein Freund durchgespielt!

Ich mag es, wenn geologische Strukturen in Spielen auftauchen. In Fallout habe ich zum Beispiel immer einen Blick darauf geworfen, fand die Struktur des Betons und Asphalts allerdings auch sehr schön. In Filmen achte ich ebenfalls darauf. Bei „Der Hobbit“, den ich mir vor Kurzem angesehen habe, konnte ich nicht anders, als die geologischen Eigenschaften einiger Sets zu analysieren!

Bei Skyrim hat mich die Landschaft total fasziniert. Verglichen mit Oblivion war das ein großer Schritt nach vorne und man konnte erkennen, dass die Designer sich wirklich die Zeit genommen hatten, alle Gebiete von Grund auf neu zu erstellen. Dadurch wird das Spielerlebnis interessanter und man kann wesentlich besser ins Spielgeschehen eintauchen.

Ihr Blog-Post enthält eine ziemlich faszinierende Hypothese über die Vorkommen bestimmter Erzarten in Skyrim. Wann haben Sie beim Spielen erkannt, dass das alles einen Sinn ergibt?

Der Post ist die Mitschrift eines neunminütigen Vortrags, den ich im Januar bei einem Event namens ‚Science Showoff‘ in London gehalten habe. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um eine Veranstaltung, bei der Wissenschaftler einem interessierten Publikum amüsante Geschichten über ihre Arbeit erzählen können. Ich hatte schon seit Längerem die Idee, geologische Strukturen in Skyrim zu kartografieren, und so bot mir der Science Showoff die ideale Möglichkeit, das Projekt loszutreten. Da die Zeit für Interpretationen und Erläuterungen vor einem 100-köpfigen Publikum ziemlich begrenzt war, habe ich meine „Forschungen“ nicht im Spiel selbst durchgeführt, sondern stattdessen das sehr informative Skyrim-Wiki verwendet. Wie ich in meinem Blog-Post schon geschrieben habe: Ich musste nur die richtigen Fragen stellen.

Das bedeutete, mir genaue Gedanken darüber zu machen, was ich im Rahmen des Projekts betrachten und wie ich an die Sache herangehen wollte. Die Kartografierung habe ich auf einige wenige Erzarten beschränkt und mir nur die Stellen angesehen, an denen sich große Vorkommen befanden (also jeweils nur einen Ort). Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es wirklich Hand und Fuß hat. Gegen Ende der Vorbereitung meiner Präsentation kam dann jedoch dieses „Wow! Das ergibt ja wirklich Sinn!“-Gefühl auf. Ich war ziemlich erleichtert, da es versprach, ein wesentlich besserer Vortrag als gedacht zu werden. Ich war außerdem ziemlich beeindruckt von Bethesda, da ich davon ausging, dass es im Skyrim-Team einen wissenschaftlichen Berater gab – was jedoch nicht der Fall war. Stattdessen hatten sich wahre Design-Cracks die viele Arbeit gemacht, alles so realistisch wie möglich zu gestalten.

Mein nächster Schritt bestand darin, alle Orte mit Erzvorkommen (und anderem Gestein) für eine ausführliche Karte genauer zu betrachten und dabei auch die geologischen Strukturen des Spiels zu berücksichtigen.

Gibt es noch weitere Spiele, die Ihre Neugier als Geologin geweckt haben?

Wie schon erwähnt, hat Fallout großartige Landschaften zu bieten und die postapokalyptische Atmosphäre des Spiels sorgt für eine weitere Ebene in puncto Geologie. Sehr schön ist auch Red Dead Redemption, das ebenfalls auf „realen“ Orten basiert und einen großartigen Vergleich zwischen echten Strukturen und ihrer Nachbildung im Spiel ermöglichen würde. Auch Minecraft wäre ein guter Kandidat für eine Kartografierung. Da Bergbau ein zentraler Bestandteil des Spiels ist, könnte man es auch gut als Lernwerkzeug einsetzen.

Am meisten interessiert mich aber die Möglichkeit, diese Spiele zu nutzen, um Inhalte über Geologie und wissenschaftliche Vorgehensweisen zu vermitteln. Videospiele sind ein großartiges Medium, mit denen man die Leute auf unterhaltsame Weise für Dinge begeistern und vollkommen neue Zielgruppen ansprechen kann. Viele Leser meines Blogs haben mir geschrieben, dass sie von Geologie entweder keine Ahnung oder sogar eine Abneigung dagegen gehabt hatten, bis ihnen durch meinen Post klar wurde, wie interessant dieses Gebiet sein kann. Wissenschaft im Allgemeinen kann faszinierend sein und ich glaube, dass Spiele eine großartige Möglichkeit bieten, den Leuten dies zu vermitteln, ohne dass man dabei zu aufdringlich vorgehen muss.

Sie haben das Interesse an einem Geologie-Mod für Skyrim erwähnt. Möchten Sie der Community vielleicht ein bisschen darüber berichten?

Ja, ich würde gerne die geologischen Strukturen in Skyrim genauer kartografieren und in einen Mod einbauen, der im Spiel einen Zugriff darauf ermöglicht. Außerdem wäre auch eine Quest interessant, in der man selbst zum Kartografen wird und dafür am Ende eine Belohnung wie beispielsweise ein neues Mineral oder Metall für eine tolle neue Rüstung erhält. Im Idealfall bietet der Mod (oder bieten die Mods) schöne Landschaften, eine coole Quest und ganz nebenbei auch noch Möglichkeiten, etwas über Wissenschaft zu erfahren!

Für solch einen Mod bräuchte ich jedoch Unterstützung, da ich mich mit dem Creation Kit und den Möglichkeiten der Software nicht auskenne. Praktische Hilfe und Ratschläge wären also sehr willkommen.

Wie können sich Modder, die Ihnen unter die Arme greifen möchten, am besten mit Ihnen in Verbindung setzen?

Schreiben Sie mir auf Twitter @JLizRob oder schicken Sie eine E-Mail an janeliz.robb [at] gmail.com.

Möchten Sie zum Abschluss sonst noch etwas loswerden?

Mich würde interessieren, was die Leute davon halten, Spiele als Lernmedium zu benutzen – besonders in Bezug auf Geologie.

Danke für das Interview!

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